alter Titel

ehemals Württembergischer Verein zur Förderung der humanistischen Bildung e.V.

Montag, 25. September 2017

Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes 2018

Polis Europa – Latein und Griechisch verbinden"

Der nächste Bundeskongress des Deutschen Altphilologenverbandes, es ist der 34., findet vom 03. bis zum 07. April 2018 an der Universität des Saarlandes in Saarbrücken statt.

Nach dem äußerst gut besuchten und sehr ertragreichen Kongress 2016 in der Bundeshauptstadt treffen wir uns diesmal in einer südwestdeutschen Stadt am Rande unserer Republik, aber in der „Mitte Europas“ und auf gallo-römischem Boden.

Mit unserem Motto „Polis Europa – Latein und Griechisch verbinden“ möchten wir den Blick auf unser gemeinsames Europa von Beginn an bis in die heutige Zeit lenken. Gerade in der momentanen Stimmung von vermehrter Abgrenzung ist die Besinnung auf die gemeinsamen Ursprünge und die verbindenden Strukturen in der Gegenwart von größter Wichtigkeit für ein friedliches Leben in Gegenwart und Zukunft.
Zu dieser Thematik konnten wir – wie bei den vergangenen Kongressen – zahlreiche profilierte Referentinnen und Referenten für Vorträge und Arbeitskreise gewinnen, die ein lehr- und abwechslungsreiches Kongressprogramm versprechen.

Mit besonderer Freude werden wir den 11. Humanismuspreis am 04. April 2018 an die ehemalige Bundesministerin und Präsidentin des Deutschen Bundestages, Frau Professor Dr. Rita Süssmuth verleihen, für die Laudatio konnten wir den Präsidenten des Deutschen Caritasverbandes, Dr. Peter Neher gewinnen. Nach „Erasmus“, „Melanchthon“ und „Edith Stein“ wird Frau Süssmuth eine „Sophie von La Roche“ von Wolf Spitzer erhalten.

Passend zum Thema „Polis Europa“ wird der Präsident der „Europäischen Bewegung International“ und Abgeordnete im Europäischen Parlament, Josef „Jo“ Leinen, den Festvortrag bei der Eröffnung halten.

Ein reichhaltiges Exkursionsprogramm rundet den Kongress ab.

Link

Freitag, 8. September 2017

Veranstaltungstipps Oktober 2017 - Update

Update der Veranstaltungen im Südwesten im Oktober!

Di, 17.10.: Semestereröffnung und Gastvortrag Prof. Dr. Martin Zimmermann (München): "Lost Cities - Zerstörte und untergegangene Städte in der Antike" an der Universität Tübingen, Alte Geschichte, Hörsaal Keplerstr. 2, 18 Uhr c.t.
http://www.uni-tuebingen.de/fakultaeten/philosophische-fakultaet/fachbereiche/geschichtswissenschaft/seminareinstitute/alte-geschichte/startseite.html

Fr, 20.10.: Festveranstaltung anlässlich des 90. Geburtstags von Prof. Dr. Drs. h.c. Wolfgang Kullmann; Festvortrag: Prof. Dr. Hellmut Flashar an der Universität Freiburg, Haus zur Lieben Hand (Löwenstr. 16), 18 Uhr c.t.

Mi, 25.10.: Univ.-Prof. Dr. Ivan Jordovic (Novi Sad, Serbien): "Die Polis - Oikos - Dichotomie und ihre Bedeutung für das politische Denken im 5. und 4. Jh. v. Chr." an der Universität Heidelberg, Abt. Alte Geschichte, Neue Universität, HS 9, Grabengasse 3, 18 Uhr c.t.

Di, 31.10.: Marianne Mathys (Basel): "Eine Frage der Eh(r)e? Architekturstiftungen und Ehrenstatuen von Frauen im späthellenistischen und kaiserzeitlichen Pergamon (Oberseminar)" an der Universität Stuttgart, Hist. Seminar, Abt. Alte Geschichte, Keplerstraße 17, im 2. Stock des K II, in Raum 17.21, 17.30 Uhr


Mittwoch, 19. Juli 2017

Römerbad Heidenheim: Unterwegs im Römischen Reich mit der Tabula Peutingeriana

Am kommenden Sonntagnachmittag, 23. Juli 2017 lädt der Arbeitskreis Museumspädagogik des Fördervereins Museum im Römerbad Heidenheim zu seiner nächsten Themenführung ein:

"Unterwegs im Römischen Reich mit der Tabula Peutingeriana"

Einer Rolle Pergament von fast 7 m Länge und 30 cm Breite verdanken wir die älteste schriftliche Erwähnung des Siedlungsplatzes Heidenheim. Sie findet sich auf der mittelalterlichen Kopie einer antiken Straßenkarte des ganzen Römischen Reiches, der so genannten Tabula Peutingeriana, und überliefert uns den Namen des römischen Heidenheim: Aquileia. Die Tabula, benannt nach dem Augsburger Humanisten Konrad Peutinger, wird heute in der österreichischen Nationalbibliothek in Wien aufbewahrt. Eine vollständige Reproduktion dieses einzigartigen historischen Dokuments im Maßstab 2:1 wird im Museum im Römerbad im Obergeschoss der Eingangsrotunde auf besonders eindrucksvolle Weise präsentiert. Karl-Heinz Kocka lädt bei seiner Führung zu einer genaueren Betrachtung der Tabula ein. Dabei wird er unter anderem auch erläutern, welche modern anmutende Infrastruktur den Reisenden von Schottland bis Persien bereits in der Antike zur Verfügung stand und dass damals auch ohne Online-Kartendienste eine genaue Reiseplanung betrieben werden konnte.
Ausschnitt der Tabula Peutingeriana mit Nennung des römischen Heidenheim  - Aquileia (Kasten oben).
Beginn um 15:00 Uhr. Eintritt und Führung frei - Der Arbeitskreis Museumspädagogik freut sich über einen Obolus zur Unterstützung seiner Arbeit.

Zum Vormerken:

Zu Beginn der Sommerferien findet vom 5. bis 13. August zum zehnten Mal die Eintrittsfreie Museumswoche der städtischen Museen in Ostwürttemberg statt. Auch das Museum im Römerbad wird sich wieder daran beteiligen.

Link zum Museum Römerbad

Donnerstag, 6. Juli 2017

Update: Veranstaltungstipps Juli 2017

Im Juli sind noch weitere altertumswissenschaftliche Veranstaltungen dazugekommen (vgl. hier):

Di, 13.7.: PD Dr. Wiebke-Marie Stock (Bonn): "Plotins Schrift 'Über den Daimon, der uns erloste' (Enn. III 4 [15])" an der Universität Tübingen, Philologisches Seminar, Konferenzzimmer um 18 Uhr c.t.

Do, 20.7.: Dr. Leonardo Costantini (Leeds): "Dynamics of Laughter: The Costumes of Menippus and Mithrobarzanes in Lucian's Necyomantia" an der Universität Freiburg in der Bibliothek der Abteilung für Lat. Philologie des Mittelalters um 18 Uhr c.t.

Samstag, 1. Juli 2017

Humanistische Reflexionspause: Wer war Helmut Kohl? (III)

Die Deutsche Einheit soll dem Kanzler Kohl einfach in den Schoß gefallen sein, bekommt man allenthalben immer noch zu hören. Doch stimmt das wirklich? In guter humanistischer Manier wollen wir hier sine ira et studio versuchen, die geschichtlichen Ereignisse von damals in ihren mannigfachen Bezügen zu betrachten. Uns mit der politischen Erbschaft der Ära-Kohl eingehend zu befassen, erweist sich übrigens auch in der aktuellen Auseinandersetzung mit unseren gesellschaftlichen und politischen Fragestellungen als äußerst aufschlussreich: politische Verwerfungen in Ostdeutschland (cfr. Pegida), allerorten zu beobachtender Vertrauensschwund der Volksparteien, kurzsichtiges Handeln der Europa-Politiker, Dissonanzen mit osteuropäischen Staaten, Euro-Krise, Brexit, etc. – überall finden sich Anknüpfungspunkte für eine einträgliche Auseinandersetzung mit dem Wirken des Einheitskanzlers. Wir müssen nur bereit sein, aus der Geschichte zu lernen – findet sich doch gerade in der historischen Aufgeschlossenheit eine der wichtigsten Kernideen des Humanismus. (Hier: Teil1, Teil2)

 
・Die Altlasten aus der Vergangenheit

Die sog. Ostgrenze an der Oder und der Lausitzer Neiße
Das Deutsche Reich 1937
konnte also bei der Realisierung der Deutschen Einheit zu einem Problem werden. Schließlich forderten die Heimat­vertrie­benen und die deutschen Minderheiten in den Oder-Neiße-Gebieten ihr Recht auf Selbstbestimmung und Wiedereingliederung ihrer Siedlungsgebiete an ein zukünftiges Gesamtdeutschland. Die endgültige Festlegung der Grenzfrage wusste Helmut Kohl zunächst an zwei Bedingungen zu knüpfen: die Anerkennung der Rechte der deutschen Minderheit in Polen (cfr.  Deutsch-polnischer Nachbarschaftsvertrag vom 17. Juni 1991) und den unwiderruflichen Verzicht Polens auf jede weitere Reparationsleistung Deutschlands für Kriegsschäden (Zahlungsforderung seit dem 1. Januar 1954 eingestellt). Uns fiel auf, dass erst der Bundespräsident Freiherr von Weizsäcker mit seiner Ansage vorpreschte, die sog. „Oder-Neiße-Linie“ als die endgültige bestehende Ostgrenze des geeinten Deutschlands anzu­erkennen. Für die Anerkennung der bestehenden Westgrenze Polens hatte bereits auch die Bundes­tags­präsidentin Rita Süssmuth eine öffentliche Kampagne gestartet. Frankreich und Groß­britannien drangen auf eine Klarstellung dieser Frage. Auch die Medien wurden zunehmend ungeduldig: „Warum läßt Kohl alle Welt im Zweifel, obwohl die Endgültigkeit der Oder-Neiße-Grenze für keinen Staat in Ost und West außer Frage steht?“ (DER SPIEGEL 10/1990). Erst dann zog der Bundeskanzler Kohl behutsam nach, der sichtlich vorsichtig die Wogen bei den Konservativen und den Heimat­vertrie­benen still­zuhalten suchte – indem er seine vorkehrende Absicht bekräftigte, den endgültigen Grenzverlauf durch „eine frei gewählte gesamtdeutsche Regierung und ein frei gewähltes gesamtdeutsches Parlament“ anerkennen zu lassen. Tatsächlich habe ich in Tokyo während der 80er Jahre noch ziemlich kon­ser­vative Menschen aus Deutschland kennengelernt, die Wert darauf legten festzustellen, dass die Ostgebiete des Deutschen Reiches (Oder-Neiße-Gebiete) lediglich unter polnischer (u.a.) Verwaltung stünden. Die Ostpolitik von Willy Brandt, namentlich der Warschauer Vertrag vom 7. 12. 1970, würde lediglich Grenzgarantie und Gewaltverzicht beinhalten; was aber keinesfalls mit der endgültigen Grenzfestlegung des deutschen Nationalstaates zu tun habe. Laut dem Beschluss der Potsdamer Konferenz vom 2. 8. 1945 sei die Frage der endgültigen Grenzregulierung eigens einem umfassenden Friedensvertrag mit 54 alliierten Feindesnationen vorbehalten – ein Standpunkt übrigens, den im Grundsatz die damalige Bundesrepublik de jure keineswegs aufgegeben hatte (cfr. die Rechtsprechung des Bundes­verfassungs­gerichts zu den sog. Ostverträgen).

Freitag, 30. Juni 2017

Humanistische Reflexionspause: Wer war Helmut Kohl? (II)

Weltweit – gar bis in die Regionen des Fernen Ostens – drang der große Ruf des Staatsmanns aus Oggersheim. Als geschickter Innenpolitiker, der die Nachkriegsdemokratie der BRD erheblich stabilisiert hat, machte er sich auch in Japan einen Namen. Zu Beginn der Kohl-Ära war die öffentliche Stimmungslage der Republik noch sehr gespalten und aufgeregt, die der Bundeskanzler freilich in den Folgejahren geschickt zu beschwichtigen wusste – mit einer Politik, die dem mannigfaltigen Spektrum der deutschen Gesellschaft gerecht wurde. Ein solch integrativer Politikstil wurde auch im fernen Japan durchaus als Vorbild angesehen. Zugleich gab es dort ein aktives Netzwerk von DDR-Agenten, das in der japanischen Öffentlichkeit durchaus einflussreich zu agieren wusste. Unter solchem Einfluss entstanden in Japan spannende Debatten, die den Blick auf die Bundesrepublik und später auch das allgemeine Urteil über die Wieder­ver­einigung mitprägen sollten.  (Hier: Teil 1, Teil 3


・Die Inszenierung der Harmlosigkeit

Durch die Etablierung der netten deutschen Zivilgesellschaft
Ostermarsch 1983
änderte sich auch entsprechend das deutsche Image: Während in Japan ältere Generationen mit Deutschland vorrangig recht marti­a­­lische Dinge wie „V2-Rakete“, „Blitzkrieg“, „Reichsparteitag“ etc. in Verbindung zu bringen pflegten, rezipierten wir Jugendlichen in den 80er Jahren lauter charmante Dinge aus Deutschland wie den „Frie­dens­marsch“, den Song „99 Luftballons“ und damit verbunden auch die „Neue Deutsche Welle“; auf dem Fernsehbildschirm sahen wir, wie manch ein Abgeordneter mitten in der Bundes­tags­­de­batte jählings anfing, noch seinen Pulli fertigzustellen. Und die zahlreichen Auftritte von Helmut Kohl mit seinen ausländischen Kollegen im rustikalen Provinzrestaurant im be­schau­lichen Deides­heim von der Pfalz verstärkten dieses harmlose Image der Bundesrepublik. Neben lauter behaglichen Bildern aus der bunten Republik bekamen wir in Japan auch noch mit, dass es so etwas Reizvolles namens „Pfälzer Saumagen“ in der deutschen Küche gibt.

Humanistische Reflexionspause: Wer war Helmut Kohl? (I)


„‚Architekt der Deutschen Einheit‘, ‚großer Europäer‘, ‚Spendenskandal‘  –  immer mit denselben Schlagworten wird das Wirken von Helmut Kohl in den Nachrufen abgehandelt. Doch gibt es nicht weitaus mehr, worüber wir mit Blick auf das Wirken seiner Person nachdenken sollten?“ –  so hinterfragt unser japanischer Gastautor manche stereotypen Würdigungen, die in den letzten Tagen erschienen sind, und lässt uns nun daran teilhaben, wie der Einheitskanzler in Japan wahrgenommen wurde. Die dortige Öffentlichkeit war – ebenso wie damals die deutsche – zunächst gespalten in der Frage, ob man überhaupt der „Birne“ etwas Weltbewegendes zutrauen kann. Anfang 1983 sagte dann in einer überraschenden Klarheit der japanische Premier Nakasone voraus: Helmut Kohl wird „ein zweiter Adenauer“ ... (Zu den Folgeartikeln dieser Serie: Teil 2, Teil3)


Jabba the Hutt
Prooemium

Helmut Kohl: Er war der Kanzler der Bundesrepublik zu jener Zeit, als ich in meiner Jugend damit anfing, mich nach und nach für das Land zu interessieren, das mich später nicht mehr loslassen sollte. Er, der Koloss von der Pfalz, der mich damals in Japan äußerst faszinierte, prägte meinen Blick auf Deutschland maßgeblich. In der Tat genoss der runde Mann mit der eckigen Brille auch bei uns in Japan eine gewisse Allgegenwart. Selbst für diejenigen aus unserer Clique, die sich anstatt für internationale Politik vielmehr für „Star Wars“ interessiert haben,
H. Kohl & F.J. Strauß
war Helmut Kohl eine dauerpräsente Figur: Als Anfang der 80er-Jahre bei uns der Film „Star Wars Episode VI“ anlief, assoziierten wir den Auftritt von „Jabba the Hutt“, einem außerirdischen Gangsterboss, flugs mit dem damaligen Regierungschef der Bundesrepublik.

Gleich nach dem Kinobesuch diskutierten wir Jungs angeregt darüber, wer eigentlich der größere Gangsterboss sei: Helmut Kohl oder Franz Josef Strauß? Ja, so schnell kam man damals noch auf die deutsche Politik zu sprechen! Wir kannten ja all die faszinierenden Polit-Figuren aus Deutschland – Franz Josef Strauß war für uns irgendwie der „böse“ Gangsterboss, der immer so grimmig dreinzublicken verstand. Und Helmut Kohl?